Darf man als Selbstständige wirklich Urlaub machen? Teil I

Persönliches Teil I

Wann hast du dir das letzte Mal ganz bewusst eine Pause erlaubt? Wann hast du dir ein paar Tage oder sogar ein paar Wochen wirklich Zeit genommen? Bist aus der gewohnten Umgebung und den gewohnte Abläufen heraus zu treten, um zu reflektieren, abzuschalten und wieder mehr bei dir anzukommen?

In den letzten zwei Wochen habe ich ganz bewusst weniger Zeit für weiteren Aufbau meines selbstständigen Business aufgewendet, dafür mehr Zeit für die Planung gemeinsamer Wochenenden mit meinem Mann und für ein paar spontane Kurztrips mit meinem Fuchsmobil. Dabei habe ich mal wieder so richtig bemerkt, wie wichtig solche Pausen sind – auch oder sogar insbesondere als Selbstständige. Wichtig, um Energie zu tanken, zu entschleunigen und um der Kreativität wieder mehr Raum zu lassen.

Wenn mich Vertraute fragen, wie es mir gerade geht, dann antworte ich: „Ich fühle Erschöpfung der Anstrengungen der letzten Monate auf der einen Seite. Auf der anderen Seite Dankbarkeit und Freude auf das, was alles noch kommen wird.“ In den letzten Monaten ist viel passiert, viele Menschen haben meinen Weg gekreuzt und so einige begleiten mich durch diese immer noch turbulente Zeit meiner ersten Erfahrung als Unternehmerin. Ich werde immer mal wieder gefragt, ob Corona meine Gründung und meinen Markteinstieg schwieriger gemacht haben. Was soll ich sagen? Ich weiß ja nicht, wie es ohne Corona gewesen wäre, denn mir fehlt der Vergleich. Ich denke, es ist alles gut, wie es ist. Mit oder ohne Corona – so ein Neustart ist wohl immer ein Sprung ins kühle Nass, verbunden mit viel Aufregung, Spannung und Anstrengung. Aber eben auch mit motivierender Perspektive auf das, was kommen wird. Auch, werde ich gefragt, ob ich es bereue, dass ich Anfang 2019 gekündigt habe. Schließlich würde ich jetzt wenigstens Kurzarbeit haben und Geld bekommen. Für einen kurzen Moment versuche ich mir diese Situation vorzustellen.

Nein! Nein! Nein, wirklich nicht. Im Gegenteil! In meiner Vorstellung würde ich mich als Angestellte in Kurzarbeit wohl unbeweglich fühlen. Einerseits würde ich Themen gern weiterhin selbst initiiert voranbringen, andererseits würde ich mehr denn je mein Engagement in Frage zu stellen. Ist dieses wirklich zielführend und gewünscht? Diese Fragen konnte ich sonst gut für mich selbst beantworten, doch in so einer Zeit wie aktuell scheint mir eine Antwort einzig von den Entscheidungen der Geschäftsführung abhängig zu sein. Fühlbar mehr Abhängigkeit und dadurch für mich mehr Bewegungslosigkeit, unklare Ziele und für mich entsprechend eine unklare Perspektive. Und so sähe es in meiner Vorstellung aus – egal, was und wieviel ich tun würde.

Ein Zustand, der wohl spätestens jetzt zu einer Kündigung meinerseits geführt hätte. Ich genieße voller Dankbarkeit die Möglichkeiten, Ideen, die ich habe – trotz oder sogar wegen der Krise – einfach umzusetzen und zu schauen, was passiert. Ich bin eine Querdenkerin und wenn es eine Zeit gibt, das unter Beweis zu stellen, dann jetzt.

Wie erlebst du diese Zeit im Angestelltenverhältnis oder als Selbstständige?

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© 2020 von Kristin Fuchs